Chronik Tsunami-Projekt

Der Rotary Club Hockenheim hilft Opfern der Flutkatastrophe in Sri-Lanka. Der nachfolgende Situationsbericht wurde in der Hockenheimer Tageszeitung am 21.01.2006 veröffentlicht.
Auch Sie können durch eine Spende mithelfen!

Sri Lanka zeigt verschiedene Gesichter

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe: Ärztin Dr. Andrea Hilmer-Lossen schildert ihre Eindrücke

Seit dem letzten Besuch der Hockenheimer Allgemeinmedizinerin Dr. Andrea Hilmer-Lossen im August 2005 hat sich die Lage in Weligama (Sri Lanka) nicht wesentlich verändert. Es wird unvermindert weiter gebaut, selbst in der 100-Meter-Zone, dem unmittelbaren Bereich am Strand. Diese war ja anfangs durch die Regierung von der Wiederbebauung ausgenommen worden, um Einwohner vor einem möglichen erneuten Tsunami zu schützen. Heute bestehen diese Ängste wohl nicht mehr, bringt die engagierte Ärztin gegenüber unserer Zeitung zum Ausdruck.

Die rege Bautätigkeit hat aber auch eine Kehrseite. Die Kosten für die Baumaterialien sind erheblich gestiegen, so dass es für denjenigen, der nicht durch eine Organisation gefördert wird, fast unmöglich ist, die Kosten für Reparatur oder Wiederaufbau selbst zu tragen. Zum Beispiel kostete ein Sack Zement vor dem Tsunami 470 Rupie (Rs, ungefähr 40 Euro), heute 5900 Rs. Sand ist Mangelware, er muss inzwischen mit Schiffen aus Indien herbeigebracht werden und der Preis hat sich verdoppelt. Neben dieser Kostenexplosion ist auch ein Mangel an qualifizierten Handwerkern zu verzeichnen, um Aufträge zu übernehmen. Auch die Preise für die Handwerker sind gestiegen. So lag der Tagesverdienst vor dem Tsunami bei 500 Rs; heute werden 750 Rs verlangt. Inzwischen können sich nur die Tsunami-Betroffenen ein Haus bauen beziehungsweise ihr Haus reparieren lassen, wenn sie Hilfe von außen erhalten.

Noch nicht alles beim Alten

Dr. Andrea-Hilmer Lossen widerspricht Meldungen anlässlich des Tsunami-Jahrestages, dass 80 Prozent der betroffenen Häuser wieder instand gesetzt beziehungsweise wieder errichtet worden sind. Diese offiziellen Zahlen entsprechen nicht ihrem persönlichen Eindruck, den sie in Weligama gewonnen hat. Zum Beispiel ist der zentrale Abschnitt von Weligama, der direkt am Strand liegt und vom Tsunami äußerst schwer verwüstet wurde, noch unverändert. Hier besteht noch viel Hilfs- und Handlungsbedarf. Andere Stadtteile hingegen sind schon soweit wieder hergestellt, dass nur wenig von der Flutkatastrophe sichtbar ist.

Mit ein Grund für die doch krassen Gegensätze ist nach Ansicht von Andrea Hilmer-Lossen, dass die verschiedenen Ortsteile Weligamas unter den einzelnen Hilfsorganisationen mit der Auflage "vergeben" wurden, in diesem Bereich den Wiederaufbau zu realisieren. Einige Organisationen sind damit schon fast fertig, andere haben erst gar nicht angefangen, weil die zuständige Hilfsorganisation "aufgegeben" hat. Die davon betroffenen Familien leben seit einem Jahr in Notunterkünften. Nach Ansicht der Hockenheimer Allgemeinmedizinerin wird sich auch 2006 wahrscheinlich nichts daran ändern. Durch den Ausfall der Organisation fehlen dort 50 Häuser. Baugrund ist vorhanden, aber das Baugeld ist schon zweckgebunden vergeben. Um diese 50 Häuser bauen zu können, werden rund 120 000 bis 150 000 Euro benötigt. Sicherlich eine stattliche Summe, nichts im Vergleich zum Nutzen und der Hilfe für die Tsunamiopfer.

Mehr Fischerboote als früher

Die Fahrt auf der Küstenstraße von Colombo nach Weligama führt an vielen Stränden vorbei, die voll sind mit Fischerbooten (Katamarane), aber auch an "Werften", die noch mehr Boote bauen. So viele Boote hat Andrea Hilmer-Lossen vor dem Tsunami bewusst nicht wahrgenommen. Es drängt sich ihr die Vermutung auf, mit der "Überversorgung" durch Fischerboote schon den Grundstein für die nächsten Probleme gelegt zu haben. Es wurde im Dezember mit den neuen, vielen Booten und den neuen Netzen sehr viel Fisch gefangen, die Preise waren durch das große Angebot bedingt nicht gestiegen - im Gegensatz zu all den anderen Lebensmitteln. Der Verkehr ist entsetzlich geworden. Die Anzahl der Tuc-Tucs (dreirädrige kleine Taxis) hat enorm zugenommen und diese bestimmen durch ihre "maximale" Geschwindigkeit den Verkehrsfluss. Überholen ist auf Grund der Verkehrsdichte und der miserablen Straßenverhältnisse kaum möglich. Man kommt heute viel schlechter voran als vor dem Tsunami.

Viel mehr Geld im Umlauf

In den Städten laufen die Geschäfte gut, überall wird viel gekauft und man merkt, dass mehr Geld in Umlauf ist, so Andrea Hilmer-Lossen. Aber alles ist viel teurer geworden. Dies trifft besonders für die Lebensmittel zu. Die Preise sind mindestens um 30 Prozent gestiegen, oftmals um 50 Prozent. Es gibt viele Menschen, die damit hadern, kein Tsunami-Opfer zu sein, denn sie erhalten auch keine finanzielle Unterstützung. Sie sind durch die indirekten Folgen des Tsunami und der Inflation heute schlechter gestellt als vor der Katastrophe. Sie empfinden sich als die wahren Verlierer. Die Hilfsorganisation "Varam" hat den Bau beziehungsweise die Wiederherstellung von beschädigten Häusern mit je 2500 Euro beziehungsweise 2000 Euro gefördert.

Häuser in Weligama teils fertig

Die Neubauten in Weligama sind nur teilweise fertig gestellt. Grund für die Verzögerung ist, dass die Hausbesitzer doppelstöckige Häuser gebaut haben, ohne dabei den finanziellen Mehrbedarf zu berücksichtigen. In einem Haus ist nur ein einziges Zimmer fertig gestellt worden. Es stehen noch Regierungsgelder aus. Diese sollen aber bald bereitgestellt werden. Mit diesem Geld müsste es nach Auffassung der Hockenheimer Ärztin gelingen, die Häuser fertig zu stellen. Andere Häuser wurden mehr im Hinterland gebaut und sind fertig beziehungsweise stehen kurz vor ihrer Fertigstellung. Alle Häuser wurden ausschließlich durch zweckgebundene Geldzuweisungen (Gutscheine für Baumaterialien) von Varam unterstützt.

Varam sah und sieht die Hauptaufgabe bei der Tsunami-Hilfe in der Unterstützung von Waisen und Halbwaisenkindern und deren Familie. Seit Aufnahme der Hilfstätigkeit hat Varam alle Kinder, die ein oder beide Elternteile verloren hatten, durch monatliche finanzielle Zuwendungen unterstützt. Inzwischen werden noch elf von 131 Kindern von Varam unterstützt. 120 Kinder erhalten monatlich 25 Euro aus einer bestehenden Patenschaft.

Die finanziellen Ressourcen von Varam werden nun bald erschöpft sein, so dass diese Hilfe für die elf Kinder bald nicht mehr gewährleistet ist. Gleiches gilt für eine Vielzahl von Patenschaften, die auf ein Jahr befristet sind. Sowohl die unterstützten Kinder, aber auch indirekt die betroffenen Familien profitieren im hohen Maße von den monatlichen Zuwendungen. Ein Wegfall dieser Zahlungen bedeutet für die meisten Betroffenen, ein Leben unterhalb der dortigen sozialen Armutsgrenze leben zu müssen, mit entsprechenden Einschränkungen für die weitere Entwicklung der Kinder.

Wie sehr die Unterstützung hilft, zeigt Andrea Hilmer-Lossen anhand eines Beispiels auf: Im April wurde eine Mutter mit vier Kindern aufgenommen. Alle Kinder und die Mutter sahen sehr mangelernährt und krank aus. Heute, acht Monate später, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die Kinder wirken um 100 Prozent besser und erfreuen sich bester Gesundheit. Es tut Andrea Hilmer-Lossen gut zu sehen, wie schnell die unkomplizierte und unbürokratische Unterstützung von Varam Hilfe und Verbesserung bewirkt.

Herzlicher Dank für Hilfe

Von vielen Pateneltern, die von der Reise der Ärztin über Weihnachten nach Sri-Lanka wussten, hat sie Weihnachtsgeschenke und Briefe mitbekommen, die sie gerne an die Patenkinder verteilte und weitergab. Die Freude war bei allen Beteiligten riesig. Alle Kinder nebst ihren Familienangehörigen haben sie teilweise mit Tränen in den Augen gebeten, den Absendern ganz herzlich für ihre Geschenke, Unterstützung und Hilfe zu danken.

Administrative Arbeit

Im Oktober wurden die ehrenamtlichen administrativen Arbeiten auf Vordermann gebracht. Alle Daten wurden direkt in Weligama neu aufgenommen, die noch nicht erfassten Kinder wurden registriert und fotografiert. Ferner wurden zwei nebeneinander existierende Patenschaftslisten zu einer zusammengeführt, die nun Grundlage für alles Weitere ist. Damit ist es nun um ein Vielfaches einfacher, die komplexe administrative Arbeit zu bewältigen.

Die Maternity Ward (Entbindungsstation) steht kurz vor der Fertigstellung. Es fehlt noch der Innenausbau und die Fenster und Türen. Es sieht sehr stabil und geräumig aus und wird den Ansprüchen und Erwartungen voll gerecht werden, berichtet Dr. Hilmer-Lossen. Aber auch hier hat sich der Bau durch den Mangel an Handwerkern und verspäteter Lieferung von Holz etwas verzögert. Andrea Hilmer-Lossen dankt in diesem Zusammenhang Dr. Leonhard Döbler und dem Rotary Club Hockenheim, die diesen Neubau ermöglicht haben. Im Rahmen der Eröffnungsfeier wird dann eine am Eingang angebrachte Messingtafel, die den Spendern gewidmet ist, enthüllt.

Von der guten Verfassung der "Bananen-Familie" hat sich Hilmer-Lossen selbst überzeugen können. Anlässlich ihres Besuches war es ihr eine besondere Freude mitteilen zu können, dass auf Grund einer weiteren Einzelspende jetzt auch Möbel gekauft werden können. Es werden Tisch, Stühle, Betten und ein Schrank angeschafft. Das Haus ist fertig und auch eine Toilette wurde gebaut. htz

Wir wollen langfristig den Menschen nach dem Tsunami in Weligama, Sri Lanka helfen, dazu brauchen wir eine langfristige Finanzierung. Spenden werden gern, auch gegen Spendenbescheinigung entgegengenommen auf das

Konto der Fördergemeinschaft Rotary Club Hockenheim e.V. Nr. 6 069 541 bei der Sparkasse Heidelberg (BLZ 672 500 20)
Stichwort: „Flutopfer Weligama Sri Lanka“

Sollten Sie Fragen haben oder Interesse an einer persönlichen Patenschaft wenden Sie sich vertrauensvoll an unser RCH Projektteam:

Dr. Andrea Hilmer-Lossen Ärztin,
Varam Projektkoordination Weligama
hilmer-lossen@gmx.de
Dr. Walter Weidner Oberstudiendirektor,
Carl Friedrich Gauß Gymnasium, Hockenheim
walter.weidner@cfg.hd.bw.schule.de
Dr. Hildegard Rimmler Kunsttherapeutin,
RCH Vorstandsmitglied Gemeindienst
dr.h.rimmler.@t-online.de
Dieter List Konzernberater,
RCH Vorstandsmitglied Internationaler Dienst
dieterbrigitte.list@t-online.de