Chronik "Suburban Swing" 2016

Der nachfolgende Artikel von Matthias H. Werner (HTZ) wurde am 17.10.2016 in der Hockenheimer Tageszeitung veröffentlicht.

Pumpwerk: Suburban Swing auf musikalischer Reise um die Erde beim Benefizkonzert des Rotary Clubs zugunsten des Schulprojekts

Bild: Swingen rund um den Planeten: Oliver Brinkmann (v. l.), Carsten Wagner, Philipp Schädel, Marina Nottbohm und Richard Schmitt gehen auf Musikreise. © privat

Welthits im satten, mitreißenden Sound

Eine am Ende doch sehr amerika-lastige musikalische Weltreise präsentierte das Suburbian Swing Project um Ton-Angeberin und Pianistin Marina Nottbohm: Ein lockerer Streifzug durch Evergreens und Gassenhauer aus den Staaten, Mexiko, Brasilien, Italien und Frankreich begeisterte im Kulturzentrum Pumpwerk die Mitglieder des Rotary Clubs und dessen Gäste.

Zum zweiten Mal nach 2014 war die Truppe beim Serviceclub zu Gast, der traditionell Mitte Oktober sein Benefizkonzert ausrichtet - diesmal, wie der aktuelle Präsident Uwe Huss in seiner kurzen Begrüßung wissen ließ, um das Projekt "LLLL: Lesen lernen - Leben lernen" zu unterstützen. Irgendwo zwischen "Somewhere beyond the Sea" und "Buona sera Signorita" gab es reichlich Welthits, ein wenig Pausen-Klamauk und vor allem sehr viel hervorragende Musik.

Entspannt, locker, variantenreich

Für den grundsoliden Sound legten Carsten Wagner am Schlagzeug und Oliver Brinkmann am Kontrabass das Fundament: entspannt und verlässlich, dabei aber trotzdem einfalls- und variantenreich. Darauf setzte Gitarrist Richard Schmitt phantasiereich und bisweilen höchst virtuos kleine Motiv-Kunstwerke, die prononcierten, auflockerten, focussierten, erzählten. Apropos erzählen: Fraglos der Stimmungsfeger wie gehabt Marina Nottbohm - die Pianistin, die gerne auch mal zum Mikrofon greift und den Rennstädtern regelmäßig als "Begabte Hausfrau" einheizt, gab die Motzkugel am Klavier ebenso gekonnt wie die Conférencieuse, die humorvolle Anekdoten zu den Titeln erzählt. Und mit "Vaya Con Dios" "Nah Neh Nah" gab sie fraglos das gesangliche Highlight des Abends, das erstmals auch echten frentischen Jubel auslöste. Und damit einen Dammbruch, der anhielt und den Abend rettet.

Schwierig nämlich der durchaus eloquente, aber doch immer wieder ins Opernfach verfallende Frontsänger Philipp Schädel. Der gefeierte Musiklehrer an der Hockenheimer Musikschule gab Songs von Frank Sinatra, einen Kurt-Weill-Dreier und Nat King Cole, den "Ol' Man River" aus "Sowboat" und Matt Monros "From Russia with Love", aus dem 1964 erschienenen gleichnamigen "Bond", um dann Louis Primas "Buona Sera Signorina" zu schmettern. Schon allein die Bandbreite dürfte auch für einen genialen Sänger sportlich sein, noch mehr aber das Wechselbad an Stilen.

Crossover gewöhnungsbedürftig
Der Versuch eines Klassik-Swing-Crossovers, der vor allem durch seine harten Wechsel aus den schwächeren Tiefen in die dann mit deutlich zu viel Nachdruck gegebene höhere Lage, durch eine zu statische Intonation und eine etwas hölzern wirkende Performance gekennzeichnet war, scheiterte - ohne dabei aber erfolglos zu sein: Die große Kohäsionskraft der Welthits, die lockere Bühnenatmosphäre insgesamt und vor allem der satte, mitreißende Sound der Band hat zusammen mit einigen deutlich "aufgetauten" Titeln wie Jobims "Girl from Ipanema" oder Domenico Modugnos "Volare", bei denen Schädel zeigen konnte, zu was er eben auch fähig ist, haben im Publikum die Begeisterung kontinuierlich steigen lassen.

Am Ende war es ein vielumjubelter Zweistünder, der Edith Piafs Welthymne "Non, je ne regrette rien" nicht nur als Musik, sondern auch als wörtliche Botschaft gab.

© Hockenheimer Tageszeitung, Montag, 17.10.2016