Chronik Sabatina James

Der Rotary Club Hockenheim hatte bei seinem Meeting am 31.01.2011 Sabatina James zu Gast. Der nachfolgende Pressebericht über ihre engagierte Arbeit wurde am 03.02.2011 in der Hockenheimer Tageszeitung veröffentlicht:

Rotary Club: Sabatina James aus Pakistan steht trotz massiver Bedrohung für ihre Ideale ein / Vortrag über leidvolle Erfahrungen durch familiäre Unterdrückung

Mutig gegen Gewalt und Zwangsheirat

Sabatina James (28) verweigerte die Zwangsheirat, konvertierte vom Islam zum Christentum, muss seitdem um ihr Leben fürchten und kämpft heute mit ihrem Verein Sabatina e.V. für das Recht und gegen die Gewalt an muslimischen Mädchen und Frauen. Wie kaum eine andere steht sie mutig für ihre Ideale ein – und dies trotz massiver Bedrohung. Deshalb musste sie in das Opferschutzprogramm der Polizei aufgenommen werden.

Vor wenigen Tagen noch mit dem Courage-Orden des Heimat- und Carnevalvereins Bürstadt geehrt, hatte nun die aus Pakistan stammende bildhübsche Frau Gelegenheit, beim Rotary Club Hockenheim über ihre leidvollen Erfahrungen zu sprechen und die Gründe für ihr Eintreten gegen familiäre Unterdrückung in der muslimischen Welt aufzuzeigen. Sie selbst kam mit ihrer Familie im Jahre 1992 von Pakistan nach Österreich, besuchte dort das Gymnasium, doch ihre Eltern verwehrten ihr, sich der westlichen Lebensweise anzupassen. Erste Probleme bekam sie beispielsweise mit der Teilnahme am Schwimmunterricht, den ihr ihre Mutter nur völlig bekleidet erlauben wollte.

Familienehre steht über allem
Schon von Geburt an sei sie von ihrer Familie ihrem pakistanischen Cousin als Frau versprochen worden. Ein solches Versprechen bedeute in einer Gesellschaft viel, in der die Familienehre über allem stehe. Liebe und Zuneigung interessiere nicht, sondern nur der familiäre Gehorsam. Wehe denen, die sich ihm widersetzen würden.

Nach einigen Jahren Aufenthalt in Österreich steckten sie ihre Eltern in eine pakistanische Koranschule. Dort stimmte sie der Verlobung mit dem Cousin nur deshalb zu, weil dies ihre Familie zur Bedingung für die Rückkehr nach Österreich gemacht habe. Wieder zurück in Linz, verweigerte sie aber die Unterschrift unter die Heiratsurkunde. Ohne die hätte ihr Cousin nicht nach Österreich einwandern dürfen.

Sie schilderte weiter, wie ihre Familie die Unterschrift unter die Heiratsurkunde fälschte und ihr Cousin als ihr vermeintlicher Mann nach Österreich gekommen sei. Wegen der Fälschung habe sie Anzeige erstattet. Außerdem sei sie zum Katholizismus konvertiert. Daraufhin hätten ihre Eltern sie massiv bedroht und verstoßen. In dieser Phase, so beklagte sie, hätten sich die österreichischen Behörden wie auch Teile der Presse ihr gegenüber nicht korrekt verhalten.

Ein Konfessionswechsel sei bei Muslimen schwerwiegend, stelle er nicht nur ein Verbrechen gegenüber der Familie dar, sondern gegenüber der muslimischen Gemeinschaft überhaupt.

Aus Angst sei sie deshalb von Linz nach Wien gegangen, wo sie ein Buch über ihr Leben mit viel Erfolg veröffentlicht habe. Zahlreiche muslimische Frauen hätten ihr zugesprochen und Mädchen mit ähnlichen Schicksalen hätten sich bei ihr gemeldet. Dies habe sie veranlasst, den Hilfsverein Sabatina e.V. zu gründen.

Sie bedauerte, dass es nur selten gelänge, das Schema der gesetzlich verbotenen Zwangsehe von 13- oder 14-jährigen Mädchen zu durchbrechen. Vor Gericht müsse dies erst einmal bewiesen werden. Wenn Aussage gegen Aussage stünde, schenkten die Gerichte häufig den Eltern mehr Glauben. Auf den Mädchen laste in diesen Fällen ein schwerer emotionaler Druck. Einerseits bestehe der Drang nach Freiheit, andererseits sei ihnen aber auch an der Verbindung zur Familie gelegen.

Ablehnung westlicher Werte
In der anschließenden Diskussion wurde aufgezeigt, dass in der christlich geprägten Welt das Individuum im Vordergrund steht, während in der muslimischen Welt die Gemeinschaft Vorrang vor dem Individuum genießt. Zur Sprache kamen auch die in unserer Gesellschaft liberalen und freizügigen Werte, von denen viele Muslime überhaupt nichts halten oder es kritisch sehen würden. Auch schließe der muslimische Glaube im Gegensatz zum christlichen jeden Zweifel an der Religion aus. Dies präge die Menschen.

Zum Abschluss dankte Clubpräsident Dr. Walter Weidner der Referentin für den aus ihrer Erfahrung gebotenen Einblick in Verhältnisse, die in unserer Gesellschaft nicht toleriert werden dürfen. Er überreichte ihr ein Blumengebinde und wünschte ihr und ihrem Hilfsverein ein erfolgreiches Engagement gegen familiäre Gewalt und Intoleranz. Außerdem stellte er ihr die Unterstützung des Rotary Clubs in Aussicht. gs

Sabatina James sorgt sich um Opfer eines fundamentalistischen Islams