Chronik Exkursion an die Obere Donau2016

Der nachfolgende Pressebericht von Walter Weidner berichtet über die Exkursion des Rotary Clubs Hockenheim an die Obere Donau, die am 03.-04.09.2016 stattfand.

Rotary Club Hockenheim auf Exkursion

140 Millionen Jahre Landschaftsgeschichte im Naturpark Obere Donau

„Landschaft verstehen, Landschaft erleben“ war das Motto, unter dem die Exkursion des Rotary Clubs Hockenheim an die Obere Donau stand. Je besser man die Entstehung einer Landschaft, ihre Geologie sowie die naturräumlichen Voraussetzungen versteht, desto besser wird man auch die Lebensbedingungen der Menschen in diesem Raum verstehen lernen.

Im „Naturpark Obere Donau“, einer der schönsten Landschaften Südwestdeutschlands, kann man diesen Ansatz in beeindruckender Weise erleben.

Ausgangspunkt der Exkursion war Beuron. Im „Haus der Natur“ erklärte die Leiterin des Naturschutzzentrums, Frau Ute Radatz, den Exkursionsteilnehmern zunächst die Entstehung der mächtigen weißen Kalkfelsen, die das Tal der jungen Donau einrahmen. Sie sind Zeugen und Reste des Jurameeres, das vor etwa 140 Millionen Jahren diesen Raum bedeckte. Zu dieser Zeit lag Europa noch im tropischen Bereich, das Meer war warm und voller Leben. Ähnlich wie in heutigen tropischen Meeren, lebten hier Korallen, Schwämme und Muscheln, die über viele Millionen Jahre gewaltige Kalksteinschichten und Riffe bildeten. Als sich das Meer zurück zog, unser Kontinent auf dem Erdmantel weiter nach Norden driftete und sich das Land hob, kamen diese Kalkfelsen an die Oberfläche. Da Kalk aber wasserlöslich und wasserdurchlässig ist, sind die Hochflächen der Schwäbischen Alb sehr wasserarm. Die Dörfer mussten daher in den Tälern, also dort, wo noch Wasser vorhanden war, gebaut werden. Der Niederschlag sammelt sich tief im Untergrund in unterirdischen Flüssen und Höhlensystemen, die für Forscher interessant und für Besucher attraktiv sind. Diesen naturräumlichen Bedingungen, Wassermangel und extreme Temperaturen, hat sich die Natur angepasst. Die Vegetation muss resistent gegen Trockenheit und hohe Temperaturschwankungen sein. Diese Spezialisten stehen heute unter besonderem Schutz im Naturpark.

Auch die Geschichte der Donau verlief höchst wechselhaft. In der Vergangenheit zapfte sie verschiedene Flusssysteme, so auch den Rhein, an und schnitt sich tief in die Kalklandschaft ein. Oder sie versickerte sogar, um an anderer Stelle wieder an die Erdoberfläche zu kommen. Der Donaudurchbruch durch die Schwäbische Alb zählt heute zu den schönsten und bekanntesten Flusslandschaften Deutschlands.

Eine gewinnbringende, konventionelle Landwirtschaft ist unter diesen besonderen Naturbedingungen heute kaum noch möglich. Zunehmend entdecken Biohöfe hier ihre Marktnische und liefern hochwertige landwirtschaftliche Produkte, von deren Qualität sich die Exkursionsteilnehmen bei einem „Naturparkfrühstück“ überzeugen konnten. Neben Menschen übernehmen Schafe als natürliche „Rasenmäher“ die Pflege und Offenhaltung der Landschaft mit ihren typischen Wacholderheiden, Orchideen und Silberdisteln.

Da die Landwirtschaft nur noch wenige Menschen ernährt und die großen Industriestädte relativ weit entfernt liegen, hat sich in den Dörfern eine zum Teil hoch spezialisierte Zuliefer- und Heimindustrie entwickelt. Auch der Tourismus ist inzwischen zu einer wesentlichen Einnahmequelle geworden. Ein zweiter Programmpunkt war der Besuch der Erzabtei Beuron. Beuron ist eines der ältesten Augustiner- Chorherrenstifte Deutschlands. Gegründet wurde das Kloster 1097 von Papst Urban II und hat, wie viele Klöster Deutschlands eine höchst wechselvolle Geschichte hinter sich: Im 30- jährigen Krieg fast völlig zerstört, 1694 wieder aufgebaut, nach der Säkularisation Eigentum des Fürstenhauses Hohenzollern-Sigmaringen, Militärhospital und 1863 Neugründung als Benediktinerkloster. Die schöne Klosterkirche im „Beuroner Stil“, gilt als eine der schönsten und interessantesten Kirchen Südwestdeutschlands.

Auf der dritten und letzten Station der Exkursion wurde nochmals der Weg des Wassers durch die Karstlandschaft verfolgt. Bei dem Besuch einer Tropfsteinhöhle konnten die Exkursionsteilnehmer konkret erfahren, wohin das Oberflächenwasser versickert und welche Karstformen sich dabei entwickeln. Beeindruckend ist, dass man tief unter der Erde, auf einem unterirdischen Fluss, Boot fahren kann, während oben die Donau selber kaum noch Wasser führt.

Das Zusammenspiel von Natur- und Kulturraum und die Verantwortung, die wir heute für ein möglichst intaktes Ökosystem tragen, kann im Naturpark „Obere Donau“ besonders eindrucksvoll erfahren werden. Den Gewinn, den man persönlich aus einem Besuch dieser Region ziehen kann, drückte ein Exkursionsteilnehmer so aus: „Ich sehe und genieße die Landschaft jetzt viel mehr, weil ich die Zusammenhänge verstehe“. Wd